Mit Rot-Weiß Koblenz II gastierte am Wochenende der Tabellenführer auf der Insel. Gleichzeitig traf damit der Spitzenreiter auf den SV Niederwerth, der auswärts zu den stärksten Mannschaften der Liga zählt und sich auch im Rückspiel gegen die Koblenzer etwas ausrechnen durfte. Das Hinspiel hatte der SVN bereits knapp mit 1:0 für sich entschieden, damals sorgte Hamza Chaudhry mit seinem Treffer für den Auswärtssieg. Auch wenn der Klassenerhalt bereits gesichert war, wollten die Jungs von Spielertrainer Julian Urbas die eigene Punkteausbeute weiter ausbauen und gerade vor heimischer Kulisse zeigen, dass die bisherige Heimausbeute noch Luft nach oben hat. Gegen den spielstarken Tabellenführer war dafür jedoch eine konzentrierte Mannschaftsleistung notwendig.
Personell musste der SVN auf Rene Fuhr verzichten, der mit einer Schulterverletzung ausfiel. Auch Luca Mohr stand nicht zur Verfügung und nahm sich Zeit für seine Schwiegereltern. Zwischen den Pfosten begann Tom Strick. In der gewohnten Dreierkette verteidigten Kapitän Tim Felber, Jan-Luca Karbaum und Yannik Rendgen. Auf den Schienen starteten Tobias Dott und Steffen Gallus. Das Zentrum bildeten wie so oft in der Rückrunde Spielertrainer Julian Urbas und Hamza Chaudhry. In der Offensive durfte sich Kabiru Barjo gegen seinen Ex-Verein zeigen, unterstützt wurde er von Robin Meyer und Steffen Zimmermann. Auf der Bank nahmen zunächst Oliver Kesselheim, Youngster Fabian Klöckner, Leon Hause, Youssef Ben Jemma und Routinier Marcel Smock Platz.
Die Gäste kamen früh zur ersten Annäherung. Nach einem Ballverlust im Niederwerther Aufbau versuchte es Rot-Weiß bereits in der zweiten Minute aus knapp 40 Metern, der Abschluss ging jedoch harmlos am Tor vorbei. In der Folge entwickelte sich zunächst ein kontrolliertes Spiel. Beide Mannschaften versuchten, ruhig von hinten heraus aufzubauen und über Kurzpassspiel Sicherheit zu gewinnen. Da beide Teams defensiv kompakt standen und kaum Räume zwischen den Linien zuließen, wurden zur Überbrückung der letzten Reihe immer wieder lange Bälle genutzt. Die erste offensive Aktion des SVN entstand nach einem Eckball von Jan-Luca Karbaum, endete jedoch mit einem Foulspiel am Koblenzer Torhüter und brachte noch keine Gefahr ein.
Auf der Gegenseite nutzte der Tabellenführer in der 16. Minute eine Standardsituation eiskalt aus. Nach einem Foulspiel von Yannik Rendgen nahe der Seitenlinie, rund zehn Meter vor der Strafraumkante, führte Rot-Weiß den Freistoß schnell aus. Während sich der SVN noch sortierte, kam Heinrich frei in den Strafraum und verwertete per Kopf zur frühen Gästeführung. Der SVN ließ sich vom Rückstand jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Die Mannschaft blieb geduldig, hatte viele Spielanteile und versuchte weiterhin, strukturiert nach vorne zu spielen. Was zunächst fehlte, war der letzte Druck im Angriffsdrittel.
In einer intensiven, aber nicht unfairen Phase sah Kapitän Tim Felber nach einem robusten Einsteigen die erste gelbe Karte des Spiels. Kurz darauf wurde auch Hamza Chaudhry verwarnt, nachdem er nach einem schwierigen Zuspiel von Keeper Tom Strick vor dem Strafraumeck in den Zweikampf musste und den Gegenspieler zu Fall brachte. Nach einem langen Ball von Spielertrainer Julian Urbas kam Robin Meyer in der 32. Minute zur ersten klareren Abschlussaktion für die Hausherren. Meyer zog von außen schön nach innen, setzte seinen Abschluss jedoch zu unplatziert, sodass der Koblenzer Schlussmann nicht ernsthaft in Bedrängnis geriet. Wenige Minuten später sah auch Urbas nach einem Foulspiel an der Mittellinie die gelbe Karte.
Kurz vor der Pause wurde es dann bitter für die Gastgeber. In der Nachspielzeit zeigte sich der SVN im eigenen Strafraum zu nachlässig im Zweikampfverhalten. Rot-Weiß durfte den Ball noch einmal querlegen, und Heinrich schnürte seinen Doppelpack zum 0:2. Damit gingen die Niederwerther trotz ordentlicher Spielanteile bedient in die Kabine.
Was in der ersten Halbzeit noch an Durchschlagskraft fehlte, brachte der SVN nach dem Seitenwechsel sofort auf den Platz: Energie, Überzeugung und die Bereitschaft, dieses Spiel noch einmal komplett aufzureißen. Direkt nach dem Wiederanpfiff setzte Niederwerth die Gäste früh unter Druck. Das Pressing nach dem Koblenzer Anstoß führte zu einem Seitenaus für den SVN in der gegnerischen Hälfte, auf Höhe des Strafraums. In der 49. Minute tankte sich Tobias Dott stark über die rechte Schiene durch und holte damit einen Eckball heraus – die Niederwerther Spezialität. Karbaum brachte den Ball präzise auf den zweiten Pfosten, wo Tim Felber völlig frei stand und zum 1:2-Anschlusstreffer einnicken konnte. Plötzlich war die Partie wieder offen, und auch die Heimkulisse war nun endgültig da.
Das Spiel wurde nach dem Anschlusstreffer wilder und unkontrollierter als noch im ersten Durchgang, dafür aber auch deutlich offensiver. Beide Mannschaften suchten nun schneller den Weg in die Tiefe, lange Ballstaffetten wurden seltener, dafür nahm die Intensität spürbar zu. Die Zuschauer feuerten die Gastgeber lautstark an und sorgten für eine hitzige, aber stimmungsvolle Atmosphäre. Nach einem kurzen Wortwechsel zwischen der Seitenlinie und dem Gästetorwart setzte dieser den darauffolgenden Abstoß direkt ins Seitenaus.
Der SVN nutzte die aufkommende Energie. Nach einem langen Einwurf auf Kabiru Barjo entwickelte sich eine ordentliche Ballstaffette, an deren Ende der Ball erneut bei ihm landete. Dieser legte quer auf Steffen Zimmermann, der in der 55. Minute eiskalt blieb und mit seinem vierten Saisontor den viel umjubelten Ausgleich erzielte. Die heimischen Fans tobten, und aus einem 0:2 war innerhalb weniger Minuten ein völlig offenes Spiel geworden.
Doch auch der Tabellenführer blieb gefährlich. In der 60. Minute zeigte Tom Strick erstmals eine echte Glanztat, als er einen gut platzierten Freistoß der Gäste stark parierte. In der 68. Minute musste Kabiru Barjo angeschlagen vom Platz, für ihn kam Fabian Klöckner in die Partie, der sich etwas tiefer positionierte und dem Spiel zusätzliche Stabilität geben sollte. Nur eine Minute später sah Robin Meyer nach einer Grätsche kurz vor dem Strafraum die nächste gelbe Karte für den SVN. Der folgende Freistoß wurde brandgefährlich, doch Tom Strick war erneut zur Stelle. Diesmal kratzte er den noch besser platzierten Ball mit einer überragenden Parade aus dem oberen rechten Eck und hielt den SVN damit im Spiel. In der 74. Minute gab es dann auch die erste gelbe Karte für Rot-Weiß nach einem Foulspiel an Fabian Klöckner.
Die Schlussphase entwickelte sich zu einem offenen Schlagabtausch. Beide Teams suchten immer wieder den Weg nach vorne, viele Pässe gingen in die Tiefe, und auf beiden Seiten entstanden Räume. In der 80. Minute wechselte der SVN erneut: Leon Hause kam für Steffen Zimmermann. Kurz vor Schluss kam Youssef Ben Jemma für Robin Meyer. Trotz der späten Phase ließ Niederwerth nicht nach. Die Mannschaft hielt den Druck hoch, rückte entschlossen nach und verhinderte mehrfach, dass Rot-Weiß den Ball sauber nach vorne klären konnte. Immer wieder setzte der SVN nach, blieb in der gegnerischen Hälfte präsent und erzwang so eine längere Druckphase. Am Ende landete der Ball bei Leon Hause, gegen den die Gäste nur noch zur Ecke klären konnten.
Es lief bereits die 94. Minute, als Jan-Luca Karbaum erneut zur Ecke antrat. Karbaum brachte den Ball diesmal scharf und hoch auf den ersten Pfosten. Die Gäste bekamen das Spielgerät nur unsauber geklärt, der Ball fand den Weg ins Tor, und der SVN drehte tatsächlich die Partie. Offiziell wurde der Treffer als Eigentor des Koblenzer Keepers gewertet, doch der gefährliche Eckball von Karbaum war der entscheidende Auslöser. Wenig später pfiff der Schiedsrichter ab.
Am Ende stand ein 3:2-Heimsieg nach 0:2-Rückstand gegen den Tabellenführer. Der SVN zeigte über weite Phasen eine überragende Mannschaftsleistung, war spielerisch immer wieder präsent und brachte in den entscheidenden Momenten genau die Laufbereitschaft, Intensität und Mentalität auf den Platz, die es braucht, um eine spielstarke Mannschaft wie Rot-Weiß Koblenz II zu schlagen. Und das nicht zum ersten Mal: Nach dem Hinspielsieg gewann Niederwerth auch das Rückspiel gegen den Spitzenreiter.

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